Es ist vielleicht gerade mal zwei Jahre her, da wurde auf den einschlägigen Konferenzen heiß darüber diskutiert, wie sich Real Time Bidding (RTB) wohl entwickeln wird. Inzwischen, so viel lässt sich mit Sicherheit sagen, ist das Thema im Alltag der Online-Werbung angekommen. Der automatisierte Handel mit Display-Inventar hat sich durchgesetzt. Nach Schätzungen werden 2016 in den USA bereits 30 Prozent aller Display-Werbeausgaben über RTB erzielt werden, das wären Umsätze in Höhe von rund neun Milliarden Dollar. Mit einer kleinen Zeitverzögerung dürfte Deutschland dieser fulminanten Entwicklung folgen.
Das liegt an den vielen Vorteilen, die RTB bietet: Die Transaktionskosten sinken, der User sieht zur richtigen Zeit, die Werbung, die genau zu ihm passt, die Kampagnen sind schneller online, die Kalkulation und Abrechnung der Budgets ist vergleichsweise einfach und transparent. Mit dem Durchbruch von RTB zeichnet sich auch so etwas wie ein Umdenken im Mediageschäft ab. Das Umfeld büßt weiter an Bedeutung ein. Der Wert einer Ad Impression wird künftig danach bestimmt, wie hoch der Werbungtreibende die Conversion-Wahrscheinlichkeit einschätzt.
Es spricht also viel für einen Durchbruch des datenbasierten Echtzeithandels von Display-Werbung. Wenn da nicht ein mittleres Imageproblem wäre. Denn RTB gilt vielen noch immer als Restplatzvermarktung, als Rudis digitale Resterampe, als Chance, möglichst günstig an Inventar zu kommen. Der Fokus liegt auf dem Wort „Bidding“ und damit auf dem Preis. Die geniale Idee des RTB, dass jede Werbekontaktchance erst auf Herz und Nieren überprüft wird bevor gekauft wird, und damit evtl. sogar ihr Wert steigt, tritt in den Hintergrund.
Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, sich von dem Begriff RTB einfach zu verabschieden. Wir sollten in der Branche dazu übergehen, künftig von Programmatic Buying zu sprechen. Der Begriff, der bislang als Synonym für RTB Verwendung findet, könnte ein Neuanfang in einer Diskussion sein, die sonst in Richtung „Billig-Inventar“ abdriftet. Programmatic Buying bedeutet eine auf den User maßgeschneiderte Kommunikation. Eine planvolle, automatisierte und gleichzeitig richtungsweisende Einkaufsmethode, wie wir sie bisher noch nicht kannten. Und Programmatic Buying muss bei Display nicht enden. Der datenbasierte Echtzeithandel wird auch den Ein- und Verkauf von Mobile und Video-Inventar erfassen. Programmatic Buying – the next generation of RTB sozusagen.
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