In einem vom BMBF und DLR geförderten Gemeinschaftsprojekt beschäftigen sich Prof. Dr. Florian von Wangenheim und Prof. Dr. Jan H. Schumann von der TU München in Kooperation mit dem Performance-Anbieter ValueClick mit der Entwicklung von Konzepten zur Messung, Gestaltung und Steigerung der Produktivität von kostenfreien Internet-Dienstleistungen. Im Rahmen dieses Fre(E)S-Projektes sprach Prof. Dr. Florian von Wangenheim, Lehrstuhlinhaber für Dienstleistungs- und Technologiemarketing, mit Christian Geyer, General Manager der ValueClick Deutschland GmbH, über die Wirtschaftlichkeit kostenfreier Dienstleistungen im Internet. Ein Auszug:
Prof. Dr. Florian von Wangenheim: „Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Bedeutung kostenfreier Dienstleistungen im Internet ein?“
Christian Geyer: „Die wirtschaftliche Bedeutung ist zweifelsohne sehr hoch. Man muss jedoch klar zwischen unterschiedlichen Geschäftsmodellen unterscheiden. Auf der einen Seite stehen die vielen klassischen Unternehmen, die online vorwiegend ihre Markenpräsenz verlängern. Für sie sind kostenfreie Internet-Dienstleistungen in erster Linie ein Marketinginstrument, mit dessen Hilfe sie ihr Image stärken und sich gegenüber den Wettbewerbern behaupten. Die Web-Auftritte großer Konzerne fallen beispielsweise unter diese Kategorie.
Anders ist die Situation für die vielen Onlineanbieter, die ihre kostenlosen Dienstleistungen im Web finanzieren müssen. Das können kleine Content-Anbieter, aber auch große Freemium-Dienstleister – die lediglich ihre Kerndienstleistung kostenlos anbieten – sein. Werbefinanzierung ist hier immer noch die wesentliche Erlösquelle. So machen beispielsweise hohe Nutzungsquoten und wertige User eine Website für Werbungtreibende attraktiv.
Je besser der User in die Zielgruppe des Advertisers passt, desto höher liegen die Vergütungschancen für den Websitebetreiber – auch Publisher genannt. Deshalb wird die Generierung von hochwertigem, zielgruppengenauem Traffic auch in Zukunft die große Herausforderung der Onlineanbieter und Messgröße für ihre Wirtschaftlichkeit sein.“
Prof. Dr. Florian von Wangenheim: „Worauf müssen Unternehmen achten, die kostenfreie Online-Dienstleistungen anbieten?“
Christian Geyer: „Bevor Websitebetreiber mit ihren Projekten starten, sollten sie ihr Finanzierungsmodell gründlich durchdenken. Unseren Kunden raten wir anschließend immer zu einer Optimierung ihrer Website, um darauf hochwertigen Traffic für ihre Werbefinanzierung zu generieren:
- Mehrwert für die Nutzer schaffen
- Usability auf der Seite erhöhen
- Alle Inhalte suchmaschinengerecht aufbereiten
- Verlinkungen schaffen
Um gezielt an der Effizienz und Wirtschaftlichkeit des Angebotes arbeiten zu können, ist außerdem ein umfangreiches Tracking der User auf der Seite nötig. Publisher sollten kontinuierlich beobachten, von wo ihre User kommen und wie sie auf das Onlineangebot aufmerksam geworden sind. Daraus ergeben sich wertvolle Erkenntnisse für den Websitebetreiber, wie er seine Seite optimieren kann.“
Prof. Dr. Florian von Wangenheim: „Welche Entwicklungen/Trends sehen Sie in diesem Bereich?“
Christian Geyer: „Mobile Anwendungen liegen im Trend und verzeichnen derzeit starken Zuwachs. Wer sich als Publisher dem Wachstum verschrieben hat, sollte deshalb über die Erweiterung seines Angebots um Mobile Websites oder Apps nachdenken. Zwar folgt Mobile Advertising anderen Spielregeln als die Werbung im klassischen Onlinebereich, die Werbeplätze sind aber bei den Werbungtreibenden genauso begehrt. In diesem Zusammenhang werden auch Location Based Services immer wichtiger.“
Darüber hinaus gewinnt der einzelne User zunehmend an Wert und Bedeutung. Denn: Ermöglicht ein Publisher einem Werbungtreibenden eine genauere Zielgruppenansprache auf seiner Seite, steigt seine Vergütung und damit auch seine Chance auf die Monetarisierung seines Onlineangebotes. Die Generierung von hochwertigem Traffic sowie dessen Auswertung bilden für Websitebetreiber deshalb den Schlüssel zum Erfolg.
Mit Hilfe modernster Targeting-Technologien wie Re-Targeting oder Behavioral-Targeting können jedem User individuell auf seine Interessen oder sein Nutzerverhalten abgestimmte Werbeanzeigen eingeblendet werden. Der Nutzer profitiert so von relevanten Werbeinhalten, der Advertiser langfristig von einem effizienteren Einsatz seines Werbebudgets und einer deutlichen Erhöhung seines Return-on-Investment (ROI). Letzteres spiegelt sich wiederum in höheren Einnahmen für den Publisher wider.“
Letzte Kommentare